Studienreise nach Ungarn

Die Kultur von Austernseitlingen auf gepresstem Stroh

Die Kultur von Austernseitlingen auf gepresstem Stroh

Die Fach-Studienfahrt der Landesfachgruppe Kulturpilzanbau im Provinzialverband Rheinischer Obst- und Gemüsebauer führte in diesem Jahr nach Ungarn. Die Organisation hatten der Leiter der ehemaligen Versuchsanstalt für Pilzanbau der Landwirtschaftskammer NRW in Krefeld, Prof. Dr. Jan Lelley, und der ehemalige Spezialberater für Pilzanbau der Landwirtschaftskammer, Einar Schmidt, übernommen. Erstes Ziel der Teilnehmergruppe mit 22 Personen, unter ihnen auch einige namhafte Fachleute aus den Niederlanden und Polen, war das Vorzeige-Unternehmen BIO FUNGHI Kft. in Ocsa und Áporka. Es werden ausschließlich Champignons produziert. In einem getrennt gelegenen Betriebsteil wird das Kultursubstrat aus den Grundstoffen Stroh, Pferdedung, Hühnermist und anderen Stoffen auf herkömmliche Weise hergestellt. Anschließend wird das homogenisierte Substrat in den zweiten Betriebsteil für die eigentliche Pilzproduktion mit holländischem Stellagensystem transportiert. Die Ernte wird überwiegend frisch vermarktet, größtenteils im Lande selbst, ein Teil der Champignons geht aber auch in den Export. Abgerundet wurde dieser äußerst informative Besuch durch eine Einladung der Inhaberfamilie Árpád Mutsy zu einem Lunch. Die Dame des Hauses gab sich als hervorragende Köchin zu erkennen. Ihre Pilz-Kreationen waren vom Feinsten, nicht umsonst ist sie in Ungarn als Kochbuch-Autorin anerkannt.
Als weiterer Betrieb wurde am gleichen Tag PILZE NAGY Kft. der Familie Nagy in Kecskemét besichtigt. Hier werden seit einigen Jahrzehnten frische Austernseitlinge (Austernpilze) produziert. Das Kultursubstrat aus Stroh (Weizen-, Triticale-) wird ebenfalls in Eigenregie nach herkömmlicher Art gehäckselt, befeuchtet und homogenisiert (Pasteurisation, Konditionierung). Dann wird das Substrat mit der Pilzbrut „beimpft“ und zu Folienpaketen gepresst. Die eigentliche Kultur erfolgt in Kunststoffhäusern. Die Vermarktung der Pilze erfolgt im eigenen Land, ein Teil wird auch exportiert. Besonderheit: Das abgetragene, also verbrauchte Substrat wird in einer eigenen, etwas abseits gelegenen Biogas-Anlage „entsorgt“. Weitere organische Masse von anderen Unternehmen wird dort ebenfalls verarbeitet. Die gewonnene Energie wird zum Teil selbst verbraucht, zum Teil in das offizielle Stromnetz eingespeist.

Der zweite Fachtag stand im Zeichen des Besuches eines Groß-Unternehmens im Raum Kerecsend/Demjen. Es werden Champignons, Austernpilze und Pilzbrut hergestellt. Darüber hinaus nennt das Familien-Unternehmen große

Weingüter und neuerdings auch eine Wellness-Anlage mit Hotel (Vorhandensein warmer Quellen) sein Eigen. Empfangen wurde die Gruppe vom Inhaber József Rácz vor dem Betriebsteil „Brut-Herstellung“. Das Brutlabor wurde vor etwa 20 Jahren errichtet, es werden verschiedene Pilzbrutarten produziert. Obwohl die Anlage offensichtlich schon etwas „in die Jahre“ gekommen ist, wird aber dennoch erfolgreich gearbeitet, überwiegend für den Eigenbedarf. Die Kultursubstratherstellung, die Pilzproduktion und die Vermarktung der Ware, einschließlich auch Konservierung, erfolgen alle in eigener Regie. Mit diesem Besuch und dem im Unternehmen BIO FUNGI am Vortag lernten die Reise-Teilnehmer die beiden wohl bedeutendsten Champignonproduzenten Ungarns kennen.

Kultur von Champignons auf Presspaketen in einem der kleineren Familienbetriebe

Kultur von Champignons auf Presspaketen in einem der kleineren Familienbetriebe

Abgerundet wurde die Reise am dritten Fachtag durch den Besuch des modernen Pilzbrut-Labors von SYLVAN, eines international agierenden Unternehmens, das weltweit verbreitet und bekannt ist. Hier wird Pilzbrut verschiedener Pilzarten für Ungarn und weitere europäische Länder hergestellt. Auch wenn die Reisegruppe solche Anlagen schon früher gesehen hat, so stellt eine solche Besichtigung immer wieder einen Höhepunkt dar. Am Nachmittag konnten noch einige Stollenbetriebe besucht werden. Es handelte sich zumeist um Familienbetriebe, sie erhalten ihre Kulturen in vorgefertigter Form als Presspakete zum Beispiel von der BIO FUNGI aus Áporka. Die dort erzeugten weißen und braunen Champignons können qualitativ als hervorragend bezeichnet werden, da die ganzjährig gleichbleibende Temperatur und Luftfeuchtigkeit solcher alter Weinkeller-/Stollenanlagen dies ermöglichen.
Abschließend kann festgehalten werden, dass die Studienfahrt nach Ungarn ein voller Erfolg war. Die unvergleichliche Gastfreundschaft seitens der Betriebe war nahezu beispiellos und trug somit wesentlich zum Gelingen der Reise bei.

Text und Bilder: Einar Schmidt

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