Kompetenzzentrum für Angewandte Mykologie und Umweltstudien gegründet

Das Team der Hochschule Niederrhein nahm das Pilzgeschenk gleich zu Forschungszwecken mit nach Hause, von links nach rechts: Prof. Dr. Reinhard Hambitzer, Prof. Dr. Alexander Prange, BDC-Geschäftsführer Jochen Winkhoff, Prof. Jan I. Lelley, Doktorandin Miriam Sari und BDC-Vorsitzender Michael Schattenberg.

Im Rahmen der 67. Jahreshauptversammlung des Bundes Deutscher Champignon- und Kulturpilzanbauer e.V. (BDC) in Potsdam wurde die Gründung des „Kompetenzzentrums für Angewandte Mykologie und Umweltstudien“ bekannt gegeben. Die Gründung im Oktober 2015 ist das Ergebnis einer mehrjährigen Entwicklung an der Hochschule Niederrhein, Krefeld/Mönchengladbach. Die angewandte Pilzforschung blickt am Niederrhein auf eine lange und erfolgreiche Tradition zurück. In Krefeld unterhielt die Landwirtschaftskammer Rheinland ab 1973 unter Leitung von Professor Jan I. Lelley die Versuchsanstalt für Pilzanbau, die als Zentrum der angewandten mykologischen Forschung bundesweit und auch international einen hervorragenden Ruf hatte. Nach 1997 wird die Versuchs- und Forschungstätigkeit durch die privatwirtschaftlich geführte Gesellschaft für Angewandte Mykologie und Umweltstudien GmbH (GAMU) weitergeführt. Inzwischen jedoch hat sich der Schwerpunkt der GAMU hin zur wissen-schaftlichen Beratung und Vermarktung von Produkten aus Nutzpilzen (Nahrungs-ergänzungsmittel) verlagert. Ausgehend von der Aktivitäten der GAMU initiierte Prof. Lelley im Jahr 2011 das Arbeitsgebiet „Extraktion von Pilzpolysacchariden“ an der Hochschule Niederrhein im Fachgebiet industrielle Lebensmittelverarbeitung und Produktentwicklung bei Prof. Reinhard Hambitzer. Das Vorhaben entwickelte sich in jeder Hinsicht für alle Partner erfolgreich, bei der Einwerbung von Drittmitteln, der Integration in die forschungsorientierte Lehre und den ersten Veröffentlichungen.

Es lag daher nahe, durch das Kompetenzzentrum eine  Organisationsform zu schaffen, die den Ausbau der Pilzforschung und die Integration weiterer Fachleute aus Wissenschaft und Praxis ermöglicht. Die Hochschule Niederrhein ist mit rund 14.000 Studierenden eine der größten Fachhochschulen Deutschlands. Als “University of Applied Sciences“ verbindet sie Forschung und Praxis – wissenschaftliche Kompetenz und unmittelbare Berufsfähigkeit. Die Hochschule Niederrhein ist nicht nur die wichtigste Bildungsinstitution am Niederrhein, sondern auch ständiger Ansprechpartner für Unternehmen zum Thema Forschung und Transfer. So bieten die Kompetenzzentren der Hochschule den Unternehmen einen besonders leichten Zutritt in die Hochschule. Kompetenzzentren dienen dazu, externe mit internen Expertisen zusammenzubringen, um die Entwicklung von zukunftsträchtigen, förderwürdigen Arbeitsgebieten effizient voranzutreiben.

Zunächst konnte Professor Alexander Prange gewonnen werden, der an der Hochschule Niederrhein das Lehrgebiet Mikrobiologie und Lebensmittelhygiene vertritt. Prof. Prange ist international ausgewiesen in Grundlagenforschung und Methodenentwicklung. In der angewandten Forschung fokussiert er auf die Mikrobiologie von Schimmelpilzen, von komplexen Systemen in Landwirtschaft, Lebensmittelverarbeitung, Umwelt und auf aktuelle Fragen der Luft- und Betriebs-hygiene. Damit ergeben sich erhebliche Synergien in der Forschung und Praxis von Mikromyceten und Makromyceten. Die Kombination ist ein Alleinstellungsmerkmal des Kompetenzzentrums. Professor Prange verantwortet zudem als Vizepräsident für Forschung und Transfer die Forschungsplanung der Hochschule Niederrhein.

Professor Sabine Ellinger vertritt das Lehrgebiet Ernährungswissenschaft. Sie ist aktives Mitglied bei der Deutsche Gesellschaft für Ernährung in der Leitlinienkommission „Evidenzbasierte Leitlinie: Fettkonsum und Prävention ausgewählter ernährungs-mitbedingter Krankheiten“ sowie in den Arbeitsgruppen „Obst und Gemüse“,  Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr“  und der „AG Klinische Ernährung“. Der BDC hat vielfach auf die mangelnden Kenntnisse von Laien aber auch von Fachleuten über die gesundheitlichen und sensorischen Vorteile von Pilzen hingewiesen. Daher werden die Aktivitäten des Kompetenzzentrums in die Studiengänge „Lebensmittelwissenschaft“ und „Ernährungswissenschaft“ an der Hochschule Niederrhein eingebunden. Die Absolventen dieser Studiengänge sind die zukünftigen Mediatoren und Kommunikatoren des aktuellen Ernährungswissens als Fach- und Führungskräfte in der Ernährungsberatung und in der Lebensmittelindustrie, so dass Impulse für den zukünftigen Verzehr von Pilzen gesetzt werden können. Wir sind davon überzeugt, dass die Kommunikation sensorischer, ernährungsphysiologischer  oder gesundheitlicher Vorteile von Pilzen nachhaltig nur  auf Basis von

• belastbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen und

• professionellem Qualitätsmanagement entlang der gesamten Wertschöpfungskette  gelingen kann.

Das Kompetenzzentrum für Angewandte Mykologie und Umweltstudien verfügt daher über die Hochschullabore für Mikrobiologie, Lebensmitteltechnologie und Sensorik sowie über einen kleinen Raum für Pilzkulturen. Für Aufgaben, die nicht vom Kompetenzzentrum allein abgedeckt werden können, haben weitere Kooperationspartner in und außerhalb der Hochschule Niederrhein ihre Unterstützung zugesagt. Mit M. Sc. Miriam Sari wurde eine junge Mitarbeiterin gefunden, die im Rahmen ihrer Promotion über Pilzpolysaccharide ein attraktives Forschungsgebiet zu Speise- und Heilpilzen bearbeitet und damit einen wichtigen Grundstein für die Zukunftsfähigkeit des Kompetenzzentrums legt. Später soll sie mit ihrer Tätigkeit ein breiteres Feld der angewandten Mykologie abdecken.

Text: Hochschule Niederrhein, Bilder: BDC

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