73. Jahrestagung: Reger Austausch und jede Menge Fachwissen

Nach coronabedingter Zwangspause 2020 war der Andrang auf der 73. Jahrestagung des Bundes Deutscher Champignon- und Kulturpilzanbauer (BDC) e. V. in diesem Jahr groß. Rund 130 Teilnehmerinnen waren Anfang Oktober in die Hauptstadt gereist, um sich mit Berufskollegen und Branchenvertretern auszutauschen und den spannenden Vorträgen im Mövenpick Hotel nahe des Potsdamer Platz zuzuhören. Zu erzählen hatte man sich viel, denn die Coronakrise hat auch in der Pilzbranche ihre Spuren hinterlassen – im positiven wie im negativen Sinne. Die gute Nachricht zuerst: Es lief gut für die Kulturpilze, denn die Nachfrage ist im Jahr eins der Pandemie enorm gestiegen. Grund dafür waren das vermehrte Kochen und Essen der Verbraucherinnen in den eigenen vier Wänden. „Es wurden vor allem verstärkt Frischpilze nachgefragt“, erklärt Michael Schattenberg, Vorsitzender des BDC in seiner einführenden Rede.

Insgesamt wurden 2020 85.100 Tonnen Pilze in Deutschland produziert, wovon allein 81.000 Tonnen auf das Konto der Champignons gingen. Der weiße Champignon führte mit 54 Prozent nach wie vor die Tabelle an, erlitt aber aufgrund der Restaurantschließungen und der dadurch geringeren Nachfrage einen leichten Dämpfer. Dafür konnten die braunen Champignons zulegen, die zum großen Teil auf den Tellern der Privathaushalte landeten. „Pilze waren zumindest mengenmäßig die größten Gewinner der Coronapandemie. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum hat die Einkaufsmenge von März 2020 bis Februar 2021 um 19,9 Prozent zugelegt. Bei den Verbraucherpreisen sieht dieses Bild ein wenig anders aus. Da konnten sie lediglich 4,2 Prozent mehr einfahren als im selben Zeitraum der Vorjahresperiode“, sagt Dr. Hans-Christoph Behr von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (AMI) in Bonn. Noch immer haben die Discounter bei den Pilzen die Nase vorn, bei Champignons sinkt der Discountanteil allerdings weiter. „Dieser Trend hat sich durch Corona nochmals verstärkt. Durch den Lockdown war es den Menschen wichtig, schön einkaufen zu gehen, wenn schon nichts anderes möglich war. Das war mit auch ein Grund, warum vor allem die Vollsortimenter in dieser Zeit hinzugewonnen haben“, so Behr weiter.

Einen positiven Trend gibt es auch bei der Altersverteilung der Käufer zu verzeichnen. Im Vergleich zu Gemüse insgesamt haben die Champignons eine jüngere Käuferschicht. Insbesondere bei jungen Familien mit Kindern punkten sie stark. „Hier spielt der sogenannte Kohorteneffekt eine wichtige Rolle. Was ich in jungen Jahren gelernt habe, behalte ich oft in späteren Jahren bei. Eine junge Verteilung ist also ein gutes Zeichen für die Zukunft des Pilzmarktes in Deutschland“, betont Hans-Christoph Behr. Auch wenn das gute Prognosen für die Pilzproduzenten sind, tröstet dies allerdings nur wenig über die anfallenden Mehrkosten für die Betriebe weg. „Nicht nur die Umsetzung der Hygienekonzepte sowie steigende Energiekosten und die CO2-Bepreisung machen den Betrieben zu schaffen, sondern auch der Wegfall der Umsatzsteuerpauschalierung, mehr Kapazitäten bei der Champostlagerung sowie gestiegene Zulieferer- und Treibstoffpreise setzen den Produzenten zu. All diese Kosten müssten eigentlich auf die Produkte umgelegt werden. Das muss bei den Kunden und letztlich den Preisverhandlungen mit dem LEH dann auch ankommen“, macht Vorsitzender Michael Schattenberg noch einmal ausdrücklich klar.

Der Andrang auf der diesjährigen Jahrestagung war groß. Rund 130 Teilnehmer*innen aus Deutschland und den Nachbarländern waren nach Berlin angereist.

Image des Speisepilzes fördern

Um das Image der deutschen Pilze zu pushen, setzt der Bund Deutscher Champignon- und Kulturpilzanbauer deshalb nun schon seit Jahren auf die Verbraucherkampagne „Gesunde Pilze“. Mit unterschiedlichen Werkzeugen wie Pressemitteilungen, Social-Media-Aktionen und einer Website sollen Verbraucherinnen an Kultur- und Edelpilze herangeführt werden. Die verschiedenen Aktionen sollen dabei informativ, sympathisch sowie authentisch und emotional sein. „Wir wollen damit nicht nur das Image fördern, sondern natürlich den Absatz heimischer Pilze steigern. Es geht allerdings auch darum, bei den Zielgruppen eine Präferenzbildung für diese Produkte zu erreichen“, erklärt Michael Legrand vom Grünen Medienhaus (GMH) in seinem Bericht zur Kampagne auf der diesjährigen Jahrestagung.

Besonders beliebt bei den Verbraucherinnen sind nach wie vor Rezepte sowie Gesundheitsaspekte rund um Pilze. Da ist es auch nicht verwunderlich, dass auf der Facebook-Seite der Kampagne ein Post zu Pilzen und Diabetes rund 35.000-mal angeklickt wurde. Inzwischen hat die Facebook-Seite bereits über 12.500 Abonnenten. Gestützt werden die Social-Media-Aktivitäten zusätzlich von Youtube und Instagram, denn gerade Videos und Bilder sind bei den jungen Generationen besonders beliebt. Um noch mehr (junge) Menschen zu erreichen, wurden zusätzlich Influencerinnen ins Boot geholt, die mehrmals pro Monat auf www.gesunde-pilze.de schmackhafte Pilzrezepte für Hobbyköche zaubern. „Wir verbinden und vernetzen alle Maßnahmen des Marketings miteinander, um auf möglichst vielen Kanälen das Thema Pilze zu spielen. Diese Art der Pressearbeit hat sich dauerhaft etabliert.

Dennoch sind wir uns auch bewusst, dass wir die Maßnahmen regelmäßig prüfen und bei Bedarf optimieren müssen“, betont Legrand abschließend. Von Erfolg gekrönt ist die Kampagne mit den Schulpilzboxen, die jedes Jahr aufs Neue zahlreiche Schüler*innen in ganz Deutschland die Welt der Pilze näherbringt. Um der großen Nachfrage gerecht zu werden, hat der Werbeausschuss des BDC deshalb entschlossen, das Kontingent der Boxen noch mal zu erhöhen.
Die 74. Jahrestagung wird voraussichtlich im Oktober 2022 stattfinden. Termin und Ort werden rechtzeitig bekannt gegeben.

Nach jedem Vortrag gab es die Möglichkeit für Fragen und Diskussion, die vom Fachpublikum rege angenommen wurde.

Text: BDC
Bilder: BDC

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