Frischpilze stabil

Verarbeitung weiter rückläufig

Der Markt für frische Pilze ist im Jahr 2011 noch leicht gewachsen, nachdem er 2010 einen kräftigen Sprung gemacht hatte. Die Einkaufsmengen sind bei verarbeiteten Pilzen in Deutschland hingegen schon seit Jahren rückläufig. Daran hat sich auch 2011 nichts geändert.

Bei leicht zurückgegangenen Einkaufsmengen im Vergleich zum Vorjahr sind die braunen Champignons 2011 die Gewinner.

Bei leicht zurückgegangenen Einkaufsmengen im Vergleich zum Vorjahr sind die braunen Champignons 2011 die Gewinner.

 

Die Einkaufsmenge an frischen Pilzen stieg in Deutschland im Jahr 2011 um knapp 2 %, nach 8 % im Vorjahr. Im Jahr 2010 hatte ein allgemein knapp versorgter Gemüsemarkt den Markt für Champignons, der mit Abstand wichtigsten Pilzart, geradezu befeuert. Auf der Suche nach günstigen Aktionsartikeln hat der LEH im Jahr 2010 sehr häufig auf Champignons zurückgegriffen. Im Jahr 2011 fiel dieser Zusatzimpuls aus, denn Frischgemüse war fast durchgehend günstig für die Verbraucher. Die Einkaufsmenge stieg deshalb nur um ein mageres Prozent, dies entspricht auch der Wachstumsrate für Frischgemüse insgesamt. Die Verbraucherpreise für Champignons sind außerdem nach einem Einbruch im Vorjahr 2011 wieder leicht gestiegen. Die Verbraucherausgaben wuchsen damit um fast 5 %, das ist ein deutlich besseres Ergebnis als bei Frischgemüse (- 4 %).

Champignons als EHEC-Gewinner?
Die EHEC-Krise hat dem Absatz von Champignons nicht geschadet, im Juni 2011 gab es sogar ein überdurchschnittliches Wachstum und die höchste Einkaufsmenge des vergangenen Jahrzehnts. Auch der September war sehr stark, gegen Jahresende schwächte das Wachstum aber ab. Der Trend zum verstärkten Einkauf brauner Champignons hat sich auch im Jahr 2011 fortgesetzt, der Anteil an den Einkaufsmengen stieg von 19 % auf knapp 22 %. Bei den Ausgaben sind es mittlerweile sogar schon 29 %. Auch der Anteil von Bio-Champignons ist gestiegen. Der Anteil am Gesamtmarkt ist aber noch gering, bei den Einkaufsmengen frischer Champignons beträgt der Bio-Anteil nun knapp 3 %, bei den Ausgaben sind es gut 6 %. Bio-Champignons sind überwiegend braune Champignons.

Inlandsanteil steigt
Frische Champignons stammen noch fast zur Hälfte aus Importen. Zu diesem Ergebnis kommt man bei der Auswertung von Produktions- und Außenhandelsdaten. Von der Inlandsproduktion, die nach Schätzungen vom Bund Deutscher Champignon- und Kulturpilzanbauer (BDC) e.V. im Jahr 2011 ca. 62.000 t (+ 2.000 t gegenüber dem Vorjahr) betragen hat, gehen ca. 8.000 t in die Verarbeitung. Die Ausfuhren frischer Champignons liegen bei knapp 6.000 t und die Importe dürften die Marke von 62.000 t nur wenig übersteigen, wenn die endgültigen Daten für 2011 vorliegen. Nach Daten aus dem GfK- Haushaltspanel beträgt der Auslandsanteil nur ca. ein Drittel. Eine gewisse Überschätzung des Inlandsanteils findet man im Panel aber generell, denn Verbraucher können die Herkunft am Verkaufsort nicht immer sicher erkennen. Nach beiden Quellen haben sich die Importe frischer Champignons 2011 aber rückläufig entwickelt. Die vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen bislang ein Minus von 11 %, bei Vorliegen endgültiger Zahlen dürfte das Minus auf unter 10 % schrumpfen. Das Panel weist für frische Champignons ausländischer Herkunft ein Minus von gut 3 % aus. Die Niederlande und Polen sind mit jeweils grob 30.000 t die einzigen Lieferländer für frische Champignons mit Bedeutung, Ungarn folgt auf Platz drei mit nur noch 500 t.

Andere Pilze als frische Champignons kommen in Deutschland nur sehr langsam von der Stelle. Als wichtigster Posten dieser Rubrik sind frische Pfifferlinge zu nennen, die in großen Mengen aus Osteuropa importiert werden. 2011 hat der Verbrauch nach einem Einbruch im Vorjahr wieder zugelegt.

Verarbeitete Pilze weiterhin rückläufig
Die Einkaufsmengen an Pilzkonserven haben sich 2011 weiterhin rückläufig entwickelt. Dies weisen sowohl die Daten des Haushaltspanels der GfK als auch Bilanzierungsdaten von Inlandsproduktion und Außenhandel aus. Je nach Quelle beträgt der Mengenrückgang gegenüber dem Vorjahr zwischen 5 % und 6 %. In den vergangenen acht Jahren weist das Panel einen Rückgang der Einkaufsmenge um 22 % aus. Der Anteil der Käuferhaushalte ist in dieser Zeit um 8 Prozentpunkte auf nunmehr 59 % gesunken. Gleichzeitig ging die Einkaufshäufigkeit zurück, die Menge pro Einkauf änderte sich dagegen kaum. Diese wird im Wesentlichen durch die Größe der Packung vorgegeben. Die Verbraucherpreise für Pilzkonserven blieben zuletzt stabil, im Vergleich zu 2003 sind sie um gut ein Viertel gestiegen.

Dr. Hans-Christoph Behr, Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (Bonn)

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