KLARE RICHTLINIEN UND REGELUNGEN WICHTIG FÜR DIE BRANCHE

Das Coronavirus beherrscht unseren Alltag hierzulande nun schon rund neun Monate. Wie ist Ihr Resümee der vergangenen Monate? Was war aus Ihrer Sicht positiv?

Positiv war auf jeden Fall für uns als Produzenten die Verlängerung der Verweildauer für Saisonarbeitskräfte aus dem Ausland auf fünf Monate. Das war ein wichtiger und vor allem richtiger Schritt für die Branche. Die Frage, die sich uns aktuell stellt, ist natürlich, warum diese Regelung nicht nochmal verlängert wird. Wir haben das Gefühl, dass es gerade um die Landwirtschaft, besonders im Hinblick auf dieses Thema, in den vergangenen Monaten wieder sehr ruhig geworden ist. Spätestens ab Februar/März, wenn auch für die Gemüsebetriebe die Pflanzzeit wieder losgeht, wird dieses Thema allerdings wieder auf der Tagesordnung stehen müssen.
Der Absatz war durchgängig stärker als in normalen Zeiten. Aber es ist auch naheliegend, dass die Menschen vermehrt zuhause kochen, wenn die Gastronomie geschlossen ist. Interessanterweise lag der Mehrabsatz bei den braunen Champignons und das obwohl in der Gastronomie normalerweise überwiegend weiße Champignons auf den Tellern landen. Damit haben wir so nicht gerechnet. Es war uns klar, dass der Absatz bei den braunen Champignons höher sein wird als in anderen Jahren. Aber dass die Verschiebung hin zu braunen Champignons so groß sein wird, war sehr überraschend für uns und stellte natürlich auch ein Problem dar, diese Mengen überhaupt an unsere Kunden liefern zu können.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat die Landwirtschaft im Frühjahr als „systemrelevant“ betitelt. Um die Versorgung der deutschen Bevölkerung in der Corona-Krise zu garantieren, wurden Ausnahmen für die Einreise von ausländischen Saisonarbeitskräften auf den Weg gebracht. Konnten Sie beziehungsweise die Branche auf genug Arbeitskräfte zurückgreifen, wie sieht es aktuell aus und welcher bürokratische Aufwand war/ist damit verbunden?

Es war in den vergangenen Monaten immer ein Zittern und Bangen. Es hat dann doch immer irgendwie funktioniert, dass genügend Arbeitskräfte zur Verfügung standen. Es war allerdings alles andere als planvoll und zielgerichtet. Die Betriebe haben sich quasi von Monat zu Monat gehangelt. Gerade zu Beginn der Krise und des ersten Lockdowns hat man eigentlich von Tag zu Tag geschaut, ob die Grenzen nun offen sind oder nicht. Das war für die Betriebe schon eine sehr anspruchsvolle und anstrengende Zeit. Das lag insbesondere auch daran, dass überhaupt nicht klar war, welche Regelung denn aktuell gilt. Testpflicht ja oder nein, wer kommt am Ende für die Kosten auf – das waren alles Punkte, bei denen wir als Branche immer wieder im Dunkeln getappt sind. Zumal für jedes Bundesland wieder andere Regelungen gelten. Hinzu kommt das Warten auf die Testergebnisse, das – je nach Testkapazität vor Ort – bis zu drei Tage in Anspruch nehmen kann. Und bis dahin müssen die neuen Arbeitskräfte erst einmal in Quarantäne, das heißt, in abgetrennte Containerdörfer. Bis sie wirklich mit der Arbeit loslegen können, vergeht in der Regel gut und gerne rund eine Woche. Es gibt zwar eine sogenannte Arbeitsquarantäne, die besagt, dass diese Mitarbeiter in ihrer Gruppe bestimmte Arbeiten ausführen dürfen. In der Praxis ist das aber teilweise nur schwer umsetzbar.

Auch die Unterbringung ist jetzt in Coronazeiten eine Mammutaufgabe – sowohl organisatorisch als auch vom Platz her. Bei 450 bis 500 Mitarbeitern kann man sich ausrechnen, was das für den Betrieb am Ende bedeutet, von den baurechtlichen Genehmigungen ganz abgesehen. Die Ämter haben allerdings schon jetzt angekündigt, dass die Maßnahmen der Unterbringung auch nach Corona Bestand haben werden. Das heißt, das wird für die Betriebe in Zukunft neuer Standard werden.

Aktuell befinden wir uns in einem erneuten Lockdown. Für Risikogebiete und Einreisende aus diesen gelten Quarantänevorschriften sowie weitere Einreisevoraussetzungen. Wie sieht ihr Betriebsalltag mit diesen Bedingungen aktuell aus?

Wir müssen unsere Arbeitskräfte vor Einreise registrieren und beispielsweise angeben, mit welchem Fahrzeug sie anreisen und wer noch in diesem Fahrzeug mitreist. Jede Arbeitskraft, die ankommt, muss dann in eine separate Unterkunft untergebracht werden, bis das Testergebnis vorliegt. In der Zeit sorgen die Betriebe für Essen und Trinken, denn die Arbeitskräfte dürfen ihre Quarantäne-Unterbringung nicht verlassen. Die Unterkünfte werden täglich gereinigt und desinfiziert. Das geben die Hygieneauflagen vor. Das ist alles zusätzlicher Aufwand zum Tagesgeschäft für die Betriebe. Auch die Meldungen an die Ämter fallen in dieses Aufgabengebiet. Das bedeutet auch, dass mehr Personal abgestellt werden muss, um diese Aufgaben zusätzlich abzuwickeln.

Was wäre für Sie als Pilzproduzenten eine Lösung oder auch ein geeigneter Weg in Bezug auf ausländische Arbeitskräfte?

Wichtig wären vor allem bundeseinheitliche Regelungen. Gerade für Betriebe, die Standorte in mehreren Bundesländern haben, ist die Situation aktuell nur schwer zu handhaben. Das Gleiche gilt bei den Tests, denn auch hier herrscht ein großer Flickenteppich. Das Schlimmste ist aber dieser Informationsnotstand, diese Ungewissheit. Man weiß nicht, was wo wann und wie gilt. Das Problem dabei ist, dass vielen einfach bis heute nicht klar ist, dass wir als Branche abhängig von einem festen, monatlichen Zustrom an Arbeitskräften sind. Wenn die nicht kommen, haben wir keine Ware.
Wir als Produzenten wissen, dass wir lernen müssen, mit dieser Situation umzugehen. Aber dann wenigstens einheitlich, sodass wir alle besser einschätzen können, wohin die Reise geht beziehungsweise woran man sich orientieren muss in Zukunft.

Was wünschen Sie sich beziehungsweise fordern Sie als Verband von der Politik?

Wichtig wäre jetzt, dass man die Erhöhung der Verweildauer auf fünf Monate nochmal verlängert. Das wäre schon mal eine Erleichterung für das kommende Jahr und demnach auch eine sinnvolle Forderung für die Betriebe.
Generell geht es uns in erster Linie um klare Richtlinien und eine vernünftige Behandlung unserer Anliegen, nicht um besondere Huldigungen oder einen Extrabonus.

Glauben Sie, dass sich die deutsche Pilzbranche stark verändern wird in den noch bevorstehenden Monaten der Pandemie?

Es wird vor allem für Neueinsteiger noch schwieriger werden, Fuß zu fassen. Sicherlich ist die Nachfrage vorhanden und nicht alle etablierten Betriebe können jeden Bedarf decken. Aber selbst die etablierten Betriebe haben es aktuell nicht einfach. Dann kommt noch der Mindestlohn hinzu, der in den kommenden Jahren weiter ansteigen wird.
Wenn man kostendeckend arbeiten möchte, wäre mit Sicherheit eine Maßnahme, die Preise der Produkte zu erhöhen. Ansonsten verschwinden die Unternehmen vom Markt, weil sie das einfach nicht mehr abbilden können. Wir sprechen hier allerdings nicht von Steigerungen von 50 Prozent oder mehr. Sondern schon moderate Anpassungen würde da ausreichen.
Hinzu kommt das geforderte Mehr an Menge in der aktuellen Lage. Was ist aber in ein paar Monaten? Wenn dann die Nachfrage nicht mehr da ist, bleiben die Betriebe auf ihren Mengen sitzen. Planungssicherheit ist deshalb in der jetzigen Lage umso wichtiger.

Text: BDC
Branchendienst_KW 51_Interview.JPG: BDC

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